Der Alptraum einer Mutter

Mit dem Baby kamen die Alpträume.
Nicht, dass der Kleinen etwas passieren könnte – nein, diese Sorge treibt mich ohnehin den ganzen Tag ganz real um:
Sie rammt sich die Lernzahnbürste in den Rachen.
An einer roten Ampel wird sie von einer Verrückten aus dem Maxicosi geklaut.
Von einem Baugerüst fällt ein Eimer Schutt auf den Kinderwagen.
Oder ganz klassisch: Der Wickeltischsturz.

In meinem Kopf alles schon passiert. Aber im Traum, da geht es um mich, bzw. um alptraumtaugliche Teile meines Körpers. Besonders subtil geht mein Unterbewusstsein nicht vor. Wie bei einem pubertierenden Jungen drehen sich meine Träumen nur um eins (bzw. zwei): Titten!

Als ich noch voll gestillt habe, wurde mir eine der seltenen Schlafphasen durch einen Flugzeugabsturz vermiest. Wir waren mit dem Baby und einigen Freunden über unwirtlichem Gelände abgestürzt. Alle haben überlebt. Aber es gab nix zu essen – außer meiner Muttermilch. Es waren drei erwachsene Männer an Bord. Da steigende Nachfrage am Muttermilchmarkt ein entsprechend größeres Angebot zur Folge hat, kann man sich vorstellen, wie ich in diesem Traum aussah. Wie aus einem anderen, nicht jugendfreien Traum – na zumindest teilweise.

Aber in diesem Alptraum hab ich immerhin unseren Freundeskreis gerettet. Und irgendwann werden meine Freundinnen drüber wegkommen, dass ich ihre Männer gestillt habe.

Viel schlimmer ist der Pumpentraum. In einem immer wiederkehrenden Alptraum sitze ich im Krankenhauszimmer und sehe aus, als hätte ich grad‘ eine Geburt hinter mir – denn ich hatte wohl grad‘ eine Geburt hinter mir. Ich bin an eine  elektrische Milchpumpe angeschlossen. Beidseitig. Leider bin ich in einem Lehrkrankenhaus und werde Anschauungsobjekt. Ins Zimmer schweben Dr. Shepard, Dr. Sloan, Dr. Karev und Dr. Avery (Grey’s Anatomy, ist klar, oder?). Und ich sage sehr souverän „Ich habe eine Wassermelone getragen“.

Da kann man schonmal schweiß- und muttermilchgebadet aufwachen.

Wie pubertierende Jungs muss mein Unterbewusstsein langsam lernen, dass sich nicht alles um Möpse dreht. Ich interpretiere diese Träume als Aufforderung: „Still! Endlich! Ab!“

Ich versuche es ja, aber mit weniger Milch wird es nicht besser. In meinem letzten Traum habe ich mit drei ebenfalls im Abstillprozess befindlichen Muttis eine Band gegründet. Ich konnte Gitarre spielen und wir nannten uns „The Empty Pouches“.

2 thoughts on “Der Alptraum einer Mutter

  1. Ich liebe, was und wie du schreibst.
    Empty pouches… *lachweg*
    Hast du schon mal ein Buch geschrieben? Wenn nicht, solltest du das schnellstmöglich tun, das wird ein Bestseller, versprochen 😉

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