Was raus muss, muss raus

In einem Raum voller Kleinkinder ist es wie beim Yogakurs. Einer pupst immer.

Und der Pupser und die Angepupsten tun so, als sei nichts passiert.

Wenn man selbst mal in Gesellschaft pupsen muss, ist es gut, ein Kleinkind zur Hand zu haben. Das kann man sich zack zack auf den Schoß setzten und Geräusche und Gerüche dem Kind zuschreiben. Denn schon die Kleinsten pupsen wie richtig Große. (Es sollte aber ein Kind sein, dass noch nicht petzen kann.)

Überhaupt lässt sich fast alles, was fest, flüssig oder gasförmig aus einem Kleinkindkörper kommt, mit Erwachsenenmaßstäben messen.

Wer eine echte Mutti sein will, muss sich eine yogimäßige Gelassenheit gegenüber Körperäußerungen und -ausscheidungen des Kindes antrainieren. Und wir reden hier nicht von Schweiß und Tränen. Es geht um schleimig-glibberige Substanzen von gelb-grüner Farbe, die zu dieser Jahreszeit literweise aus Babynasen strömen.

Für diese harten Themen gibt es den Muttistammtisch.

Die spielend vor sich hin pupsenden Kinder können sich mit Bauklötzen hauen und aushandeln, wer das Alphababy der Gruppe ist, während die Mamas wichtige Dinge bereden. Über den Windelinhalt sind wir längst hinaus. Darüber reden nur Anfängermuttis in den ersten sechs Monaten. Das Thema flackert zwischendurch immer wieder auf, je mehr feste Nahrung ein Kind zu sich nimmt, wird aber schnell abgehandelt. Denn Kinderkacke ist Kinderkacke gegen eine ordentliche Rotznase. Nasenwindeln hab‘ ich im Drogeriemarkt noch nirgends entdeckt. Und danach zu fragen, traue ich mich nicht.

Der Muttistammtisch ist in erster Linie eine Selbsthilfegruppe mit Nebenbei-Kinderbetreuung. Also gebe ich es eines verregneten und verrotzten Stammtischtages zu: „Ich finde den Schnodder aus der Nase meiner Tochter e-kel-haft!“

Betretene Gesichter. Und dann: „Jaa!“- „Iiihh!“ – „Stimmt!“ „Ich auch!“ „Klebrig!“ „Schleimig!! „Zäh!“ „Bäh!!

Einmal in Rage, hat jede Mutti etwas zum Thema beizutragen:

Mutti K. berichtet von Vorrichtungen, bei denen man einen Schlauch in die Kindernase steckt und den dann wie beim Benzinklauen oder Aquariumreinigen ansaugt. Dann fließt der Schleim schön gleichmäßig, man muss nur daran denken, den Schlauch aus dem Mund in einen Auffangbehälter zu halten. Auch einen Staubsaugeraufsatz zum Absaugen gibt es. Den hat aber noch niemand ausprobiert. Keine Mutti will riskieren, dass da etwas Hirnmasse mit abgeht. Dann doch lieber Rotze wegwischen. Wir haben nur einen pinguinförmigen handbetriebenen Absauger, der mit Hilfe irgendeines physikalischen Phänomens das zarte Näschen „vom Sekret befreit“. Leider klappt das bei uns nicht, denn bis ich das Ding gefunden habe, hat meine Tochter die Triefnase selbst in die Hand genommen und sich mit beiden Händen durch Gesicht und Haare gerieben. Das ist nichts für schwache Nerven.

Wenn das Kind mal wieder aus der Rotznase ein Rotzgesicht mit Rotzhaaren gemacht hat, hilft nur der alte Yogitrick: Tief einatmen (wenn grad keiner gepupst hat) – und auf Ma-Ma ausatmen.

6 thoughts on “Was raus muss, muss raus

  1. Liebe Berit, ich benötige kreative Hilfe und starte in der Hoffnung auf zahlreiche Ideen einen Mini-Tag, den Du gern weitergeben kannst!

    Die Frage: Wie lassen sich ein Weihnachtsbaum, wünschenswerterweise mit echten Kerzen, und ein Baby, das ALLES in den Mund steckt und sich AN ALLEM hochzieht, harmonisch vereinen?

    Geschmückten Baum einzäunen? Unerreichbar an Decke hängen? Palme statt Baum, da Blattwerk dann unerreichbar?

    Ich freue mich sehr über Tipps und Ideen! Absurdes und Kurioses ist, wie immer, ebenfalls herzlich willkommen!

    Herzlich: Anne

  2. Schöner Post… erkenne viele wieder! Man härtet echt ab. Ich dachte früher immer, wie albern, wenn Mütter an den Hintern ihrer Kinder schnuppern. Nun ist es Tagesroutine…

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