Sind wir nicht alle ein bisschen Lucie?

Review: Auf High High Heels in den Kreißsaal

Auf High Heels in den Kreißsaal – jede Frau, die schonmal schwanger war, wird bestätigen, dass sich das nach einer Mörder-Herausforderung anhört. (Noch schwieriger ist es nur, auf High Heels wieder aus dem Kreißsaal herauszustolzieren. Ich kann das bezeugen. Ich war zweimal drin und wurde jedes Mal im Bett rausgeschoben.)

Pünktlich zur Geburt unserer zweiten Tochter im September 2014 erschien Lucie Marshalls „Auf High Heels in den Kreißsaal“ – und kaum war die kleine sieben Monate alt, schaffte ich es endlich, mal hineinzuschauen. Es ergab sich der seltene Moment, in dem ich zwischen meinen beiden friedlich schlafenden Töchtern im Bett saß, einen Tee (na gut, es war Rotwein) trank und mal eben kurz in das auf dem Nachttisch vor sich hin staubende Buch hineinschmökern wollte und zack – war ich auf Seite 120.

Bis dahin (und auch auf den Seiten danach) hatte ich oft geschmunzelt, wissentlich genickt, gelacht, geweint  und fand es sehr beruhigend, dass Schwangerschaftskotze auch vor Prada-Lackschuhen nicht Halt macht. Auch kann ich es sehr gut nachvollziehen, dass man ein Geburtstrauma auch mal an der Wursttheke herausbrüllen muss.

Auf High Heels ist Lucie Marshall nämlich nicht in den Kreißsaal gestöckelt. Viel mehr war die Geburt ihres Sohnes hochdramatisch. Frühchen, Intensivstation – nicht so, wie man es sich bei der Lektüre der Schwangerschaftsratgeber vorgestellt hat.

Glücklicherweise kommt Lucie doch noch an im ganz normalen Mutti-Wahnsinn, in dem sie Stillhütchen, Muttifreundinnen, einen Kitaplatz, eine Wohnung, einen Babysitter und nicht zuletzt den Draht zu ihrem Mann sucht.

„Auf High Heels in den Kreißsaal“ ist eine lustige Lektüre für Schwangere, Eltern und solche die es werden wollen. Denn ein Kind stellt jedes Leben auf den Kopf, egal wie unabhängig und glamourös man es auch gelebt hat.

Als Mutter findet man sich beim Lesen sehr gut wieder im Hin- und Hergerissensein zwischen absoluter Verzückung darüber, dass ausgerechnet das eigene Kind das süßeste aller Zeiten ist und den Fragen: Wer bin ich? Was mache ich hier eigentlich? Und warum genau wollten wir ein Baby?

Denn so ist es doch bei allen Muttis, egal ob sie mit funkelnden Manolos oder ausgelatschten Chucks den Kinderwagen schieben: Ein Auf und Ab von Sorge, Freude, Frust, Glück, Verzweiflung und der ständigen Angst, irgendwas falsch zu machen, die manchmal abgelöst wird von dem Bauchgefühl, gerade genau das Richtige zu tun.
Dazwischen können ein paar humorvolle Zeilen nicht schaden.

Nicht nur Lucies Buch ist toll, auch ihr Blog: www.luciemarshall.com

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