Lieber Franz Josef-Wagner,

ich schreibe Ihnen so spät, denn ich musste mich erst sammeln. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich brechen oder laut lachen sollte, als ich Ihren Text an die „liebe Familienpolitik“ las. Aber wir könne ja so tun, als sei dies ein Brief, der einen ganzen Tag mit der Post unterwegs war. So wie früher. Als die Mutti noch dem Postmann die Tür öffnen konnte.

Wir alle wollen also mehr Babys? Ich nicht. Ich hab zwei und muss sagen, damit bin ich gut bedient. Damit habe ich etwa 0,6 Kinder mehr als die deutsche Durchschnittsfrau – und dem bösen Zeitgeist ein Schnippchen geschlagen. Wenn der Vater der Kinder und ich sterben, hinterlassen wir in der Baby-Tote-Rechnung glatt eine schwarze Null, oder?

Was die bekannte Hosenanzug-Mutti uns noch als tolle Errungenschaft verkaufen wolle – nämlich: Mütter können ihr Kind in die Kita bringen, gut verdienen und einen Partner haben, der auch mal in Teil- oder Elternzeit geht, ist natürlich gar nicht sooo gut, wie wir Mamas immer dachten. Denn das bringt neue Probleme mit sich, denen die heutige Müttergeneration nicht mehr gewachsen ist: Wie kriege ich die doofen Smoothie-Flecken aus dem Business-Kostüm heraus? Wir Versagerhausfrauen wissen ja gar nicht mehr, ob wir da jetzt mit Gallseife ran dürfen und ob Kleidung 30-, 40- oder 60-Grad tauglich ist.

Letztens war auch noch Gewitter. Zufällig war ich grad zu Hause und meine große Tochter auch. Ich hatte Angst. Aber die habe ich überspielt und meiner Tochter erklärt, dass ein Donner gar nicht böse ist, nur laut. Seitdem steht sie bei Unwetter am Fenster und lacht, hält sich die Ohren zu und quietscht: „Ist nur laut, oder?“ Und wenn sie pupst sagt sie „Ich habe einen Donner gemacht!“ Aber sie sollte sich wohl nicht zu sehr für Naturphänomene interessieren, denn sie ist ja ein Mädchen.

Wenn das Unwetter nachts über uns hereinbricht, schläft sie übrigens. Und zwar nachdem wie das Zubettgeh-Ritual in folgender Reihenfolge durchgeführt haben: Gute-Nacht-Sagen, küssen, zudecken, in den Schlaf singen. Nicht umgekehrt. Denn wenn man ein schon schlafendes Baby zudeckt, küsst und ihm Gute Nacht sagt und dann noch „Schlaf, Kindlein, schlaf“ schmettert, wird es oft wieder wach. Und dann haben wir Muttis gar keine Zeit mehr, uns die Nächte im Aufsichtsratsbüro oder der Chefredaktion um die Ohren zu schlagen.

„Es gibt nichts schöneres, als ein Baby das schläft, zuzudecken, es zu küssen und Gute Nacht zu sagen“, sagen Sie. Nein. Es gibt nichts schöneres, als ein Baby das schläft. Punkt.
Und wenn es wach wird, gehen wir einfach hin, singen, schuckeln und streicheln bis es wieder einschläft.

Herzlichst

Die Mutti

2 thoughts on “Lieber Franz Josef-Wagner,

  1. Ich finde den Artikel unverantwortlich. Wie bekomm ich jetzt bitte die Kaffeeflecken aus meiner Kleidung, von der Tastatur und vom Bildschirm?

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