Der Nikolaus klaut deine Stiefel nicht – Nikolausabend mit einer Dreijährigen


Das Drama unseres Nikolausabends in einem Akt.
In den Hauptrollen:
Ich als: „Die Mutter“ (kurz: MUTTER)
Meine dreijährige Tochter als: „Die dreijährige Tochter“ (kurz: TOCHTER)


 

Erster und einziger Akt: Heut‘ ist Nikolaus-Abend da

Es ist Samstag, der 5. Dezember. Schlafenszeit irgendwo in einer unaufgeräumten Wohnung mitten im Ruhrgebiet.
Das Baby schläft.
Der Papa hat Ausgang.
Der Rotwein atmet.
Die Mutter muss nur noch die Dreijährige ins Bett bringen.
Nur noch? An diesem Abend mit der Zusatzaufgabe „Stiefel rausstellen“ Denn in der Nacht kommt der Nikolaus.

MUTTER ihrer Tochter deren schwarzen Winterstiefel mit Glitzersteinchenbesatz hinhaltend: „Stell‘ dem Nikolaus bitte deine Stiefel vor die Tür und dann gehen wir schlafen.“
TOCHTER sich am Hintern kratzend: „Warum denn zwei?“
MUTTER ganz ruhig: „Einen für dich und einen für deine kleine Schwester. Die hat ja noch keine eigenen Stiefel.“
TOCHTER das Trotzgesicht aufsetzend: „Aber das sind NUR meine!“
MUTTER ein Augenrollen unterdrückend: Bitte. Der Nikolaus bringt dir bestimmt ein tolles Geschenk, wenn du deiner Schwester einen Stiefel leihst. Du hast ja morgen beide Stiefel wieder.“
TOCHTER die Arme vor der Brust verschränkend und rumpelsilzchentypische Bewegungen machend: „Der Nikolaus soll Babystiefel bringen!“
MUTTER immernoch ultrafreundlich und ganz ruhig: „Bring‘ jetzt bitte die Stiefel vor die Tür, ja? Dann lesen wir noch ein Buch und wenn du eingeschlafen bist, bringt der Nikolaus dir etwas Schönes. Nickt muttimäßig lächelnd und schiebt das Kind Richtung Tür.
TOCHTER heulend: „Aber… Aber… der Nikolaus klaut dann meine Stiefel!
MUTTER verwirrt aber total ruhig und besänftigend das Ärmchen der Tochter tätscheld: Nein, Schatz, der Nikolaus klaut keine Stiefel. Der packt dir da etwas Süßes rein und bringt dir ein Geschenk.“
TOCHTER verzweifelt aufheulend und schluchzend: „Die Schnullerfee hat auch meinen Schnuller mitgenommen!“
MUTTER sieht ein, dass es ernst wird und länger dauern könnte und kniet muttimäßig verständnisvoll vorm Kind nieder: „Schatz, mach dir keine Sorgen. Der Nikolaus hat eigene Stiefel. Außerdem hat der viel größere Füße als du.
TOCHTER hört auf zu schluchzen, lässt nur noch dicke, stille Tränen über ihre Wangen kullern: Aber der hat ein Kind.“
MUTTER die Tränen mit dem Ärmet trocknend: Nein, der Nikolaus hat kein Kind.“
TOCHTER wieder schluchzend: „Dohooch. Das Christkind.“
MUTTER über die Familienverhältnisse der weihnachtlichen Symbolfiguren grübelnd: Nein, Maus. Der Nikolaus ist nicht der Vater… oder… Moment mal… wie war das noch gleich..? Nein, nein, der Nikolas hat keine Kinder. Und jetzt bring BITTE deine Stiefel raus, sonst ist der Nikolaus gleich weg.“
TOCHTER die Haare durch Tränen und Schnodder wischend: Warum hat der Nikolaus keine Kinder?
MUTTER resigniert seufzend und völlig überfragt: Der wollte sich erstmal auf seine Karriere konzentrieren. Er kriegt bestimmt mal Kinder, wenn er all eure Stiefel gefüllt hat. Deshab musst du die jetzt wirklich vor die Tür stellen.
TOCHTER in einigermaßen normaler Tonlage und auf ihre Stiefel deutend: „Aber nicht diese Stiefel. Andere. Die brauche ich noch.“
MUTTER an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeld und sehr überzeugend: „Schatz, der Nikolaus klaut deine Stiefel nicht.“
TOCHTER ist nicht überzeugt, reißt sich los und läuft ins Kinderzimmer.
MUTTER sackt in sich zusammen.
NIKOLAUS steht auf dem Dach herum, zündet sich eine Zigarette an und trommelt ungeduldig auf den Schornsteinrand.
ROTWEIN atmet.
TOCHTER aus dem Kinderzimmer rennend mit ihren zu klein gewordenen gepunkteten Gummistiefeln in der Hand: Hier! die möchte ich rausstellen. Die sind nicht schön.“
MUTTER auf dem Boden kauernd, aber natürlich immernoch total entspannt und gedulig: „Die sind dir doch längst zu klein. Da passt nicht so viel rein.“ Diese Aussage sofort bereuend und einen verzweifelten Beschwichtigungsversch startend: „Aber gut! Alles gut! Die Stiefel sind gut! Dann stellen wir die jetzt raus, komm.“
TOCHTER mit weit aufgerissenen Augen, heulend: „Aber ich will ganz viele Süßigkeiten. Nicht nur bisschen!
MUTTER immernoch mega cool und überhaupt gar nicht genervt: „Dann stell jetzt die schwarzen Stiefel raus und dann bringe ich dich ins Bett, ja Schatz?“
TOCHTER bestimmt, einen Arm in die Hüfte gestützt und einen Zeigefinger oberlehrermäßig durch die Luft wedelnd: „Aber. Der. Nikolaus. Darf. Die. Stiefel. Nicht. Mitnehmen.“ Noch bestimmter: „Klar?“
MUTTER den Kopf zwischen die Knie fallen lassend: „Klar.“
MUTTER steht entspannt lächelnd und ohne sich mit den Armen abzustützen oder sich ungelenk anzustellen auf.
MUTTER und TOCHTER stellen die Stiefel auf die Fußmatte und diskutieren im Bett weiter.

Eine halbe Stunde später:

TOCHTER schläft
MUTTER holt die Stiefel wieder rein. Auf der Fußmatte hinterlässt sie eine Kritezlei: Das-Ist-Das-Haus-Vom-Ni-Ko-Laus – mit schwarzen Kinderstiefeln davor und drei Worten. „Ho Ho Ho!“

 

hohoho2

 

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