Kinderbuchtipps: Testleserin Anna empfiehlt

Vor ein paar Wochen brachte der Paketbote uns einen dicken Umschlag vom Bastei Lübbe Verlag. Im Rahmen des Projekts „Von Familien empfohlen“ durften wir Kinderbücher testlesen und bewerten. Genauer: Ich durfte vorlesen und Anna als Juryvorsitzende hatte das letzte Wort. Unsere Lese-Erfahrung haben wir in einem Bewertungsbogen festgehalten, den ich dann Anfang März in meinen Rucksack gepackt und nach Köln gebracht habe. Der Verlag hatte mich und andere Testeltern zu einem Workshop in sein Hauptquartier eingeladen. Wir konnten berichten, wie die Lektüre bei unseren kleinen Testlesern ankam und durften mit Lektorinnen des Verlags über die Bücher sprechen. Sehr spannend für mich war es, einen Einblick in die Entstehung eines Kinderbuches zu bekommen, so durften wir einen Blick auf Klaus Baumgarts erste Skizzen in der Entstehung des Kinderbuchklassikers „Lauras Stern“ werfen.

LauraLauras Stern
Klaus Baumgart
Baumhaus Verlag, 14,99€

Zuerst dachte ich: Oh ne, bitte nicht Lauras Stern.
Ich kannte das Buch zwar gar nicht, aber von Lauras – zugegeben sehr süßen – Knopfaugen fühlte ich mich schon zu oft beobachtet. Laura und ihr Stern tummeln sich mittlerweile nicht nur im Bücher- sondern auch im DVD-Regal, im Kinderkanal und im Kino, und ich habe bisher einen Bogen um die beiden gemacht.
Aber als Mutter hat man ja nur bedingt etwas zu melden, und da das Buch einen glitzernden Stern auf dem Cover hat, war es erste Wahl unserer Haupttestleserin Anna (3,5 Jahre) und stieß auch bei Mitleserin Lilly (1,5 Jahre) auf großes Interesse. Und was soll ich sagen: Laura ist einfach liebenswert.

Die Geschichte
Das kleine Mädchen Laura beobachtet, wie ein Stern vom Himmel fällt, klebt ihm ein Pflaster auf den zerbrochenen Strahl und lässt ihn bei sich im Bett schlafen. Dann merkt sie, dass er auf der Erde seine Leuchtkraft verliert. Mit Hilfe ihrer Geburtstagsballons schickt sie den Stern schweren Herzens zurück an den Himmel. Wenn sie nun abends aus dem Fenster zum Sternenhimmel blickt, sieht sie ihren eigenen Stern, der auf sie aufpasst.

Das Jury-Urteil
„Nochmal lesen“, forderte Anna bereits nach dem ersten Durchgang.
Laura ist so unaufgeregt, freundlich, sympathisch und so schön gezeichnet, dass ‚Lauras Stern‘ die perfekte Gute-Nacht-Geschichte ist, die zu Recht zum Kinderbuchklassiker aufgestiegen ist.

Und kein Wunder, dass ich mich von Laura verfolgt fühlte: Sie wird in diesem Jahr 20! Sie hat sich gut gehalten, nur der Walkman auf ihrem Bett verrät, dass sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben muss.
Zum zwanzigsten Geburtstag im Herbst hat der Verlag eine besondere Überraschung für Laura-Fans (zu denen ich mich nun auch zähle) auf Lager und ich freue mich schon darauf. Darüber zu gegebener Zeit mehr.

VerbuchslerDer Wechstabenverbuchsler
Mathias Jeschke, Karsten Teich
Boje Verlag, 12,99 €

Während sich die Testeltern bei Laura einig waren (so schöööön, hach, seufz, verliebt, Sternchen in den Augen), war der Wechstabenverbuchsler bei den meisten eher Liebe auf den zweiten Blick, andere wurden mit ihm gar nicht so recht warm.

Die Geschichte
Nina und ihre Mama lernen Herrn Beckermann kennen, der nach einem Unfall einen Sprachfehler hat und die Buchstaben durcheinander wirbelt. So sieht er eine „wanderburen Letterschming über die Wiemenbluse torkeln“, nennt seine Angebetete „Schnimtzecke“ und bekommt eine „Hänsegaut“.
Ninas Mama ist trotzdem (oder deswegen?) hin und weg von ihm und die beiden heiraten. Nina findet durch Zufall einen Weg, wie Herr Beckermann wieder richtigherum sprechen kann.

Das Jury-Urteil
An manchen Stellen funktioniert der Wortwitz nicht auf Anhieb und wir Testvorleser mussten einräumen, das ein oder andere Mal ins Stocken oder ins Grübeln gekommen zu sein.
Unsere Testzuhörerin Anna mag den „Verbuchsler“, wie sie ihn nennt, sehr gern und findet den Wortsalat einfach lustig. Am besten gefallen ihr aber die Bilder. Nina, ihre Mama Susi und Herr Beckermann sind fröhliche Zeitgenossen und turnen und hüpfen unbekümmert durch ihre bunte Welt. Die Bilder sind toll und wer genau hinschaut, entdeckt ein paar Ikonen der Sprachspiele, wie Ernst Jandl (samt Ottos Mops), Kurt Schwitters oder Heinz Erhardt in den liebevollen Zeichnungen.

Tipp: Eine gute Leselampe! Im Schummerlicht sind manche Wechstabenverbuchslungen schwer zu entziffern, besonders, wenn man (wie ich) nicht mehr über hundertprozentige Sehstärke verfügt.

Die Geschichte schult Vorleser und Vorleserinnen, denn man muss an einigen Stellen genau hingucken und liest dadurch bewusster, deutlicher und langsamer vor. Ein etwas anderes Buch, das mir persönlich gefallen hat, weil es den Kindern Freude an der Sprache vermittelt.

BirneDie unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne
Jakob Martin Strid (Autor und Illustrator), Sigrid C. Engler (Übersetzerin)
Boje Verlag, 16,99 €

Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne hat unglaubliche 112 Seiten und ist unglaublich gut.

Die unglaubliche Geschichte
Kater Mika und Elefant Sebastian angeln eine Flaschenpost. Darin finden sie einen Brief des verschollenen Bürgermeisters Hieronymus Bergström Severin Olsen und ein geheimnisvolles Samenkorn. Sie pflanzen es ein und am nächsten Morgen steht eine gigantische Riesenbirne in ihrem Garten. Das Abenteuer beginnt, denn während die beiden mit Hilfe von Professor Glykose das Geheimnis der Riesenbirne ergründen wollen, will der bösartige Vizebürgermeister Knorzig das Ding so schnell es geht loswerden, notfalls mit Gewalt. Plötzlich treiben Mika, Sebastian und der Professor in der Birne auf dem offenen Meer. Dort treffen sie auf die schrecklichen Piraten, den Eigenbrötler Odysseus Karlsen und seinen Seedrachen. Sie machen sich mit Hilfe eines magischen Kompasses auf die Suche nach der geheimnisvollen Insel, um das Rätsel der Riesenbirne und des verschwundenen Bürgermeisters zu lüften.

Das Jury-Urteil
Das Buch vorzulesen macht einfach Spaß. Die Figuren sind lustig, schön gezeichnet, die Geschichte ist verrückt und ein bisschen gruselig. Sie ist in mehrere Kapitel unterteilt, sodass man länger etwas davon haben könnte, wenn man das Kind überzeugen kann, eine Lesepause einzulegen. Anna blättert in dem Buch gern vor- und zurück und will immer wieder die Stelle lesen, an der die Birne im Garten wächst oder an der der Seedrache auftaucht.

Durch die gelungene Haptik mit dickem griffigen Papier ein schönes Leseerlebnis für Vorleser und Zuhörer. Mein Favorit unter den drei Büchern.

 

Styleguide_2.inddÜber das Projekt „Von Familien empfohlen“

Fast jeder von uns stand schonmal im Buchladen und fühlte sich erschlagen von der Auswahl. Welches ist nun das richtige (Bilder-)Buch für mein Kind? Welches kommt als Geschenk gut an? Welches kann man Dreijährigen gut vorlesen? Welches ist eher für Schulanfänger gedacht? Der Bastei Lübbe Verlag möchte mit dem Qualitätssiegel „VON FAMILIEN EMPFOHLEN“ eine Orientierungshilfe im Bücherdschungel geben und bei der Auswahl helfen. Hierbei durften wir mitmachen (nicht nur bloggende, auch ganz normale Eltern. Aber eben auch tolle Blogger, z. B. Dani, die Glucke und So, Nadine von Mama und die Matschhose und Anita alias Mira Mondstein vom Familymag).
Die Lektorinnen, mit denen wir zusammengesessen haben, haben unsere Anmerkungen und auch Kritik ernst genommen und uns versprochen, das Siegel nur auf Bücher zu kleben, die beim jungen Testpublikum gut angekommen sind.

Weitere Infos unter: https://www.luebbe.de/von-familien-empfohlen

Als Teilnehmerin des Projekts „Von Eltern empfohlen“ wurden mir die genannten Bücher kostenfrei zur Verfügung gestellt.

2 thoughts on “Kinderbuchtipps: Testleserin Anna empfiehlt

  1. Ich muss sagen, ich bin total beeindruckt Deine Rezensionen sind absolut professionell. Ich wünschte, ich hätte Dich als Rezensentin für mein Buch. Ich bin leider eine selbstveröffentlichtte Autorin eines Kinder- und Jugendbuches als ebook ohne Verlagsanhang.. Zu Deinem Blog werde ich wiederkommen, danke vielmals.

    1. Vielen Dank! Schön, dass du selber schreibst! Ich habe gesehen, dass dein Buch eher etwas für Ältere Kinder ist, meine Töchter sind dafür wohl noch etwas zu klein. Liebe Grüße!

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