Was macht die Schnullerfee mit meinem Schnuller? Mit Vorlese-Geschichte

Zum dritten Geburtstag bekam Anna Post von der Schnullerfee.

„Liebe Anna,
du bist jetzt schon ganz schön groß. Deshalb möchte ich dir einen Deal vorschlagen“
, schrieb sie in ihrer Geburtstagskarte.
„Ich schicke dir hier die Schnullerfee-Stempelkarte. Wenn du eine Nacht ohne Schnuller geschlafen hast, stempelt deine Mama einen Schnullerstempel in die Karte. Wenn sie voll ist (die Karte, nicht die Mama), kannst du deine Schnuller gegen ein Geschenk eintauschen. Deine Mama weiß, wie das geht. Liebe Grüße, deine Schnullerfee.“

„Was soll die Schnullerfee dir denn bringen?“, fragte ich Anna.
„Einen Onchao, der Musik macht“, antwortete sie.
Bitte. Keinen. Onchao.
Der komische Name geschieht diesem Onchao recht. Denn er ist das Symbol meines Versagens als Erziehungsberechtigte.
Meine guten Mutti-Vorsätze waren:
Kein billiges batteriebetriebenes Plastikspielzeug. Kein Fernsehen. Nicht zu viel Glitzer.

Als meine Tochter drei wurde, war ihr sehnlichster Wunsch ein Plastikeinhorn mit lila Glitzerflügeln, das bei Druck aufs leuchtende Horn Musik spielt und blinkt. Es ist der Star einer pädagogisch wertlosen und nicht altersgemäßen Fernsehserie mit dem Titel „Mia and me“, die sich klammheimlich in unseren Vorabend geschlichen hat. (Die unschuldige Protagonistin tauchte dann auch noch im Spätproramm wieder auf unseren Bildschirmen auf, denn sie hatte eine Rolle in Game of Thrones angenommen. Wir Eltern kamen nicht umhin, uns jeden Abend zu fragen, was nur aus den süßen kleinen Mädchen wird, wenn sie mal groß sind. Warum, seht ihr hier.)

Immerhin: Billig ist so ein Einhorn nicht. Aber das spielt ja keine Rolle, wenn die Schnullerfee zahlt.
Für die Kleine werde ich mit der Schnullerfee einen Prämienkatalog erarbeiten, aus dem sie Bücher und Ökospielzeug zum Tausch gegen Schnuller auswählen darf.

Wie heißt eigentlich die Schnullerfee?

Anna ging brav ohne Schnuller und mit Aussicht auf einen blinkenden Onchao ins Bett.
Das brachte ein Problem mit sich:
Ohne Schnuller konnte Anna vor dem Einschlafen ganz klar und deutlich und ohne Unterlass sprechen. Ihr Redefluss war nicht zu stoppen, denn die bevorstehende Ankunft der Schnullerfee warf einige Fragen auf.

„Wie heißt die Schnullerfee?“
Ich überlegte.
„Die heißt Anna, genau wie du.“
„Nein!!“ (großes Geheule) „Ich heiße Anna. Nur ich!“
„Okay, okay. Dann heißt sie… Gisela.“
(Noch lauteres Geheule) „Nein! Das ist nicht schön.“
„Gut, ich frage nochmal nach und sage dir morgen Bescheid.“
Kurze Denkpause.
„Wo wohnt die Schnullerfee?“
Was? Was weiß ich, wo die wohnt. Am Nordpol? Ich dachte gerade noch über einen Namen nach und wurde schon wieder kalt erwischt.
„Im… im… Schnulliland..?“, stotterte ich.
„Hat die Schnullerfee Flügel? Wie die Mia?“
Ich merkte, dass ich nichts über dieses Wesen wusste, das ich da des Nachts ins Kinderzimmer lassen wollte.
„Nein!“, sagte ich entschlossen. Nicht schon wieder ein Mädchen mit Flügeln „Die hat einen… hhmm…. großen Hüpfschnuller…, glaube ich“, erzählte ich ihr wenig überzeugend.
„Ist die Schnullerfee schon ein Schulkind?“
„Ja, die ist schon groß“
, sagte ich, diesmal überzeugt. Während diese Worte meinen Mund verließen, war mir klar, dass die nächste Frage nicht lange auf sich warten lassen würde. Denn das führte logischer Weise zu der alles entscheidenden Frage:
„Warum braucht die dann einen Schnuller?“

Auf meine mündliche Prüfung in Phantasiewesenkunde hatte ich mich schlecht vorbereitet. Ich gab auf und Anna  den Schnuller wieder, um mich nochmal in Ruhe in die Thematik einlesen zu können.

Nach dem ersten misslungenen Abend mit kniffligen Fragen zum Leben und Wirken der Schnullerfee setzte ich mich an den Schreibtisch und schrieb eine Geschichte auf, die Annas Fragen beantworten würde.

Die Geschichte steht unten und es gibt sie hier mit mehr Bildern zum Nachlesen, Vorlesen und Ausdrucken.

Da sich meine Zeichenfähigkeiten seit dem Kindergarten nicht weiterentwickelt haben, hat meine begabte Freundin Martina die Schnullerfee gezeichnet.

 


Fiabell, die Schnullerfee

Und die brennende Frage: Was macht die Schnullerfee mit deinem Schnuller?

Text: Berit Hullmann
Illusration: Martina Jeske001

Als es Nacht wird, wabert eine Nebelschwade durch den Vorgarten von Annas Haus.
Ein hellgrünes Augenpaar blinzelt heraus.
Die Augen schauen nach links, dann nach rechts.
Der Nebel glitzert und schimmert.

Boing – boing – boing.

Fiabell die Schnullerfee hüpft  auf ihrem Hüpfschnuller auf Annas Balkon.
Neben dem großen Blumentopf steht ein Schuhkarton.
Fiabell nimmt den Deckel ab.
„Vier Schnuller! Danke, Anna!“, flüstert sie.

Die Schnuller steckt sie in die linke Jackentasche und holt aus der rechten ein kleines Geschenk.
Für Anna. Von deiner Schnullerfee“, steht darauf.
Fiabell legt ihr Päckchen auf den Karton, steigt auf ihren Hüpfschnuller und hüpft auf das Balkongeländer.

Miaaauu – nicht so schnell, Schnullerfee!“, faucht es ihr entgegen.
Eine schwarz-weiße Katze springt auf das Balkongeländer.
„Keine Zeit“, raunzt Fiabell die Katze an und will weiterhüpfen.
„Warte bitte!“, sagt diese etwas freundlicher und legt eine Pfote auf den Hüpfschnuller.
„Ich bin Paule und ich habe eine Frage, die uns Straßenkatzen seit Jahren beschäftigt“.
Er räuspert sich und fragt:
„Was macht ihr Feen nur mit all den Schnullern?“

Die Schnullerfee seufzt.
„Komm‘ mit, dann zeige ich es dir“, sagt sie.
„Auf dem Ding? Habt ihr denn keine Flügel?“
Fiabell schüttelt den Kopf.
„Warum fragen immer alle nach Flügeln? Wir sind Schnullerfeen. Wir haben Hüpfschnuller. Kommst du jetzt? Ich habe es eilig.“

Paule zögert.
Dann macht er einen Satz auf Fiabells Schoß.
Sie nimmt Schwung und hüpft hinunter in den Vorgarten.
Paule sieht eine Nebelschwade auf sich zukommen.

Es glitzert. Es macht Wuuuusch – und die Schnullerfee hüpft mit ihm in den Nebel.

„Willkommen im Schnulliland“, sagt Fiabell. „Hier wohnen wir.“
„Ihr? Ich dachte, es gibt nur eine Schnullerfee.“
„Quatsch. Jede Fee hat einen Bezirk. Eine allein würde die Arbeit doch gar nicht schaffen. Oh nein! Da hinten hüpft Floria. Sie ist die allerallerbeste Schnullerfee. Sie gewinnt jedes Jahr.“

„Gewinnen? Was gewinnt sie denn?“, fragt der Kater.
Fiabell seufzt. „Das große und alljährliche Schnullerfee-Wetthüpfen! Gleich geht es los. Wir müssen noch schnell tanken“, erklärt Fiabell.

Sie hüpft rechts ran und schubst Paule von ihrem Schoß.

Fiabell zieht an dem Griff ih011res Hüpfschnullers und mit einem Zissch öffnet er sich.

„Das ist ja ein Tank“, staunt Paule.
„Hilf mir bitte. Welcher war Annas Lieblingsschnuller?“, fragt die Fee nervös und holt Annas Schnuller aus ihrer Tasche. Paule überlegt.
Den türkisen Schnuller hatte sie immer im Mund, wenn sie mir abends eine Schale Futter auf den Balkon gestellt hat“, erzählt er.

„Der Tank ist nur für die Lieblingsschnuller. Die meisten Kinder haben mehrere. Hauptschnuller, Zweitschnuller, Ersatzschnuller; weißt du? Wir müssen herausfinden, welcher ihr liebster ist. Der gibt uns die meiste Energie und wir können schneller hüpfen.“

Die Schnullerfee schmeißt den türkisfarbenen Schnuller in den Tank.
Glupp-glupp-glupp-glupp-glupp-glupp
Es gurgelt laut

Bling-pling-pling-bling
Es glitzert bunt.

„Du hast recht! Ganz viel Schnullerenergie“, ruft Fiabell und klatscht in die Hände.

Der Kater staunt.
„Woher kommt denn die Energie?“
„Von den Träumen der Kinder“, erklärt Fiabell. „Deshalb kann die Schnullerfee dem Kind immer einen kleinen Wunsch erfüllen, im Tausch für den Schnuller. Der Schnuller, mit dem sie am meisten träumen, liefert auch die meiste Energie, logisch, oder? “

Paule kratzt sich am Kopf. „Und die anderen Schnullis?“

„Die schmelzen wir ein und bauen daraus unsere Häuser und unsere Hüpfschnuller. Aber jetzt müssen wir wirklich los. Spring auf.“

Die beiden hopsen zum Rennplatz.

Am Start hüpfen Floria und ein Dutzend andere junge Schnullerfeen und Schnullerfeeriche sich gerade warm.

Fiabell geht in Startposition.
„Drei, zwei, eins…“ ruft der Schiedsrichter-Feerich.
Er sticht in einen Schnuller.
Es macht Peng.
Alle hüpfen los.
Sofort hüpft Floria in Führung.
Fiabell ist ihr dicht auf den Fersen.
Das Publikum klatscht und jubelt.

„Schneller, schneller“, ruft Paule, als Fiabell an ihm vorbeihüpft.
„Du hast sie gleich!“
Fiabell holt alles aus ihrem Springer heraus.
Sie kommt Floria immer näher.

Im Schnullertank funkelt es.
Fiabell zieht links an Floria vorbei.
Noch drei Hüpfer bis zur Ziellinie!

Boing – Boing – Boing.
„Gewonnen! Du hast gewonnen!“ Kater Paule klatscht in die Pfoten.
Fiabell purzelt von ihrem Hüpfschnuller.

„Danke für deine Schnuller, Anna! Und danke, Paule!“, ruft die Schnullerfee.
Paule hüpft auf Fiabells Schoß und schnurrt zufrieden.

„Aber Fiabell, eines musst du mir noch erklären“, sagt Paule und blickt sie an. „Was passiert mit den Träumen, wenn der Schnuller sie nicht mehr an euch weitergibt?“

„Tja“, sagt Fiabell. „Die Kinder werden immer größer und mit ihnen die Träume. Wenn sie ihren Schnuller abgeben, bleibt auch die Kraft der Träume bei ihnen und sie werden stark genug, um sich ihre Träume selbst zu erfüllen.“

 

wuusch

 

Zur Schnullerfee-Geschichte als pfd

 

 

 

 

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