Was soll an einem Baby schon anstrengend sein? – Über Leben im Wochenbett

Meine Freundin A. hat keine Kinder und von biologischen Uhren noch nie etwas gehört.

Meine Freundin B. hat auch keine Kinder. Noch nicht.
Vor gut neun Monaten wurde ihre biologische Uhr auf ein magisches Datum Ende Januar gestellt. Ganz bald wird dieser biologische Wecker (oder die biologische Zeitbombe) klingeln und das heißt: Es ist Zeit für ein Baby!
Eine Snooze-Taste gibt es nicht.
Und wie wir alle wissen, tickt die Uhr bzw. die Frau, in der diese Uhr steckt, danach nicht mehr ganz richtig. Denn sie ist Mutter. Und Mütter sind komisch, sagt Freundin A.

„Erklär‘ uns doch mal“, sagt A. und schüttet sich selbst und mir ein Glas Rotwein und Freundin B. einen frisch aufgebrühten Himbeerblättertee ein, „was ist eigentlich an einem Baby so anstrengend? Die schlafen 18 Stunden am Tag. Sie können sich nicht allein fortbewegen, also kann man sie überall mit hinnehmen. Trotzdem hocken die Muttis am liebsten zu Hause. Und warum haben Mütter immer fettige Haare?“

Aus der Reihe: Kinderlose fragen, Mütter antworten:
Überleben und über Leben im Wochenbett – zwischen Überforderung und Überwältigung


Was ich A sage:

Du hast völlig recht, Säuglinge schlafen sehr viel. Aber sie schlafen nicht 18 Stunden am Stück. Leider. Sie werden schon nach zwei Stunden wach und wollen an die Brust.

Das merkt man so einer Brust irgendwann an.
Wund wird sie und entweder steht sie mit zuviel Milch kurz vorm Platzen oder hängt mit zu wenig Milch und völlig ausgelaugt an dir herab.

Der Körper ist ohnehin nicht mehr das, was er mal war. In alle Richtungen gedehnt ist er und mit Fettreserven für sehr lange und sehr schlechte Zeiten ausgestattet. Du kannst dir nocht vorstellen, jemals wieder etwas anderes als Umstandskleidung zu tragen.

Und ja, Babys schlafen viel, das ist schön. Aber wenn sie wach sind, weinen sie. Meist ist die Brust die Lösung, aber manchmal eben nicht. Und du rätselst und schuckelst und trägst, bis es irgendwann müde ist und du ja sowieso.

Plötzlich hast du diese Verantwortung für ein klitzekleines Wesen, das aussieht, als könne man damit jede Menge falsch machen. Es zu warm oder zu kalt anziehen, es zu lange oder zu kurz stillen – und überhaupt fühlst du dich, wenn du mal klar denken kannst, ziemlich überfordert.

Sie halten sich überhaupt nicht an Verabredungen, diese Babys. Ich verspreche dir, jedes Baby spielt das gleiche Spiel mit der Mutter: Drei Tage lang macht es nicht ein einziges Mal in die Windel, du massierst den Bauch und isst keinesfalls Hülsenfrüchte, von denen Spuren über die Muttermilch eventuell bei ihm Blähungen verursachen könnten. Du machst dir Sorgen. Du fragst die Hebamme, die sagt, das sei normal. Dann willst du mal raus und in dem Moment, in dem du ihm den Schneeanzug angezogen und es umständlich um deinen Bauch geschnallt hast, riecht es plötzlich komisch. Dann pellst du es aus den ganzen Klamotten wieder heraus. Und wenn du mit mindestens zwanzig Minuten Verspätung beim Pekip ankommst, siehst du im unbarmherzigen Spiegel der Turnhalle, auf dessen Boden kniend du sehr viel Zeit verbringen wirst, dass deine Haare mal wieder gewaschen werden könnten.

Es ist wirklich ultrastressig.

 

Was ich B sage:
Kannst du dich noch erinnern, als du und der Papa in spe ganz frisch verliebt wart?  Wenn du denkst, bis auf diesen einen Menschen brauche ich grad niemanden? Man ist sich genug. Und so geht es dir mit dem Baby auch.

Das Baby interessiert es nicht, ob du deine Haare frisch gewaschen hast oder ob der Still-BH eigentlich dringend in die Wäsche müsste. Es ist am liebsten in deiner Nähe. Und weil es ihm egal ist, ist es dir auch egal.
Du guckst auf deinen Körper, der einigermaßen mitgenommen und trotzdem irgendwie schön aussieht.
Immerhin hat er gerade ein Menschlein hervorgebracht und produziert nach dem ganzen Stress auch noch fleißig dessen Nahrung – ziemlich faszinierend.

Überhaupt ist man sehr, sehr, sehr viel mit Staunen beschäftigt:
Sind alle Babys so winzig klein?
So ein wunderbares, perfektes und natürlich ultrasüßes Baby soll meines sein?
Das muss man erstmal sacken lassen. Wenn du mal klar denken kannst, bist du ziemlich überwältigt.

Und auch wenn du monatelang diesen Bauch vor dir hergetragen hast und ein hochmodernes Ultraschallgerät permanent Livebilder aus deinem Bauch in deine Frauenarztpraxis gesendet hat, auch wenn du dir ganz sicher bist, dass du sowohl bei der Zeugung als auch bei der Geburt höchstpersönlich anwesend warst, kannst du es nicht so ganz glauben: Dieses kleine Kindlein soll in meinem Bauch gewesen sein? Das Normalste der Welt fühlt sich plötzlich so abgefahren an – in mir ist ein Mensch herangewachsen. Ein echter Mensch. Und zwar genau dieser kleine Knirps, der hier gerade friedlich auf meiner Brust schlummert und so wunderbar riecht. Davon musst du erstmal 1000 Selfies machen, ohne dich auch nur einen Zentimeter zu bewegen und seine Ruhe zu stören.

Es gibt diesen kurzen Moment nach der Geburt, in dem du, ausgerechnet du, in deinem Arm das jüngste Menschenkind der Welt hältst. Natürlich bleibt diese kurz stehen und dreht sich in den Wochen danach erstmal ganz langsam weiter und nur um dich und dein Kind.

Überhaupt, diese Welt da draußen, was soll die schon von mir wollen? Ich habe ein Baby! So ein pures Geschöpf. So viel, das man richtig machen kann.

Es ist wirklich ultraschön.

5 thoughts on “Was soll an einem Baby schon anstrengend sein? – Über Leben im Wochenbett

  1. Schön geschrieben! 🙂 Das Gleiche wie Freundin B. hätte ich aber Freundin A. auch erzählt. Vielleicht fängt dann ja diese Uhr auch mal an zu ticken… 😉

  2. Wow, ich bin echt überrascht, wie Freundin B diese Phase beschreibt.
    Scheint wohl vor lauter positiven Glücksgefühlen und Momenten zu strahlen. 😀
    Mir gefällt der Blogbeitrag. Werde mir wohl einiges abschauen müssen.
    Danke, mach weiter so. 😉
    Falls Deine Freundin B. noch auf der Suche nach einem Kinderwagen ist, hier ein paar Tipps aus der Ferne: http://kinderwagen-abc.com/

    Viel Erfolg und schöne Momente weiterhin!

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