Früh fördert, wer ein Meisterkind haben will

Habe die Supermutti getroffen. Ich hatte sie schon vermisst. Sie kam vom Gebärdensprachkurs.

„Ich wusste gar nicht, dass dein Kind nicht hören kann…!?“
„Es KANN hören. Babyzeichensprache! Lernen wir jetzt. Total suuuper, musste auch mal hin. In den Staaten machen das alle Die Babys lernen da Gesten und können dann schon mit neun Monaten sagen, dass sie Hunger haben oder Aua oder so.“

Hunger oder Aua oder so??? Scheint ja ein differenziertes Kommunikationssystem zu sein. Meine Tochter kann das auch. Hunger ist wenn sie schreit. Aua ist wenn sie schreit und vorher hingefallen ist. Beiden Schrei-Arten kann man mit Essen beikommen.

„Wir gehen jetzt noch zu FenKid. Und was macht ihr so alles?“, fragt sie.

FenKid? Ist das Pekip für Supermuttis? Denn PeKip ist ja schon gar nicht mehr so angesagt, weiß die Supermutti: „Ach, das machen ’se doch alle, das ist ja eher Turnen und Rumrennen.“

Die lieben NetMoms waren so gut, mal all die Abkürzungen zu entschlüsseln, die die Mutti von heute kennen muss. FenKid steht für Frühentwicklung des Kindes. Was ganz anderes ist wohl DELFI – „Denken,Entwickeln, Lieben, Fühlen, Individuell“. „ElBa“ steht für „Eltern- und Baby-Kurs“, FABEL hingegen für „Familienzentriertes Baby-Eltern-Konzept“.

Wer keine Lust auf bescheuerte Akronyme hat, kann einfach zum Babyoga oder Babyshiatsu. Musikalische Früherziehung ist ja ohnehin selbstverständlich, am besten natürlich pränatal.

Aber die Supermutti pflanzt den Samen des Zweifels in mein Normalomuttigehirn: Ob ich mit meiner Spiel- und Singgruppe am Montag, dem wöchentlichen Muttistammtisch im Familiencafé und Babyschwimmen wohl ausreichend frühfördere? Nicht, dass irgendein Talent unentdeckt bleibt.

Ich hatte unserer lieben Spielgruppenleiterin Gabi geglaubt, als sie sagte, ein Kind dürfe sich auch mal langweilen. Prompt musste meine Tochter mir beim Spülmaschineausräumen oder Wäscheaufhängen zugucken, ohne dass ich dabei Haushaltsgegenstände in Englisch und Mandarin benannt und französische Kinderlieder gesungen habe.

Immerhin weiß ich jetzt, was wir nicht machen. FenKid. Zumindest nicht in dieser Stadt.

„Wir wollten eigentlich nach Hause“, gebe ich zu. Das Kind sollte sich noch ein bisschen mit seinen Eltern langweilen und dann ab ins Bett, bevor es aus dem Schlafrhythmus kommt und wir es in die Schlafschule schicken müssen.

„Na ja, mein Kleiner ist da auch schon recht anspruchsvoll. Der macht nicht jeden Kurs mit. Einfach Turnen wär‘ ihm echt zu langweilig.“

Meiner Tochter wird auch langweilig. Sie gibt lustige Laute von sich und wedelt mit den Armen. „Was hat es denn?“ Fragt die Supermutti, ehrlich besorgt. „Vielleicht solltest du sie mal auf ADHS untersuchen lassen?“
„Ich glaube das ist de Geste für ‚Ab nach Hause!‘ “

3 thoughts on “Früh fördert, wer ein Meisterkind haben will

  1. Herrlich! Ich habe gerade so gelacht! Danke für dieses Post!!! Ich bin schon so lange soooo genervt von diesem: Wie dein Kind geht nicht zum Babyschwimmen?! Was Pekip habt ihr auch nicht gemacht? Musik nur im Kindergarten?
    Das schöne bei uns ist: Wir schwimmen in der Badewanne, turnen im Wohnzimmer und dabei hören wir klassische Musik. Reicht auch zum Großwerden und einen Einblick in die weite Welt zu bekommen!
    Liebe Grüße
    Martina. (Mama von zwei total normalen Kindern, zum Glück!)

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